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Stars in Town – Schaffhausen 2019

Amy Mcdonald rockt Schaffhausen

In Schaffhausen, der Stadt am berühmten Rheinfall, gleich nach der deutsch-schweizerischen Grenze, hat sich in den letzten Jahren ein Konzert-Event etabliert, das aufhorchen lässt. Jedes Jahr im August findet hier eine Woche lang das Festival „Stars in Town“ statt – inmitten der hinreißenden Altstadtkulisse des Mittelalterstädtchen.

Festival in Schaffhausen mit großer Band-Breite 

Es ist ja nicht so, dass der Mittlere Neckarraum kulturelles Brachland wäre. Gerade im Sommer überschlagen sich die Festivals in der schwäbischen Landeshauptstadt und der näheren Umgebung. Die Bühnen in Schondorf, Ludwigsburg, Esslingen locken die Musikfans an. Und natürlich Stuttgart angefangen mit der Freilichtbühne Killesberg über den Cannstatter Wasen hinein in die Stadt mit all ihren Locations und Veranstaltungen wie den Jazz Open bieten Weltstars und Newcomer aller Musikrichtungen auf: im Mai, im Juni, im Juli. Und im August? Fehlanzeige. Urlaubszeit. Alles ausgeflogen.

Stars in Town, Schaffhausen 2019, Redaktionsbüro Syntax Das Musikfestival bietet Weltstars wie Amy Macdonald ebenso eine Plattform wie den Local Heroes Dabu Fantastic oder Shooting Stars wie Bastian Baker. Aber auch Newcomer wie Femi Luna dürfen sich im Vorprogramm beweisen.

Stars in Town – der Name ist Programm

Da kommt das Schaffhauser Festival gerade recht. Zumal für den Abschluss-Abend Amy Macdonald angekündigt ist – die musikalische Schottin hatte das letzte Mal vor neun Jahren in der Stuttgarter Porsche Arena aufgespielt. Für alle Live-Hungrigen dürfte es sich also lohnen, die Reise über die verkehrsarme A 81 in den Süden auf sich zu nehmen.

Stars in Town. Der Name ist Programm. Schon die ganze Woche wechseln sich die Stars auf der Bühne des Herrenacker genannten Platzes inmitten der historischen Altstadt ab. Den Auftakt machten die Scorpions, dann kam die britische Indie-Rockband Bastille, Rea Garvey und Beginner. Jeweils flankiert von zwei Openern, die auch nicht gerade unbekannt sind, wie etwa Fettes Brot oder Max Giesinger.

Dabu Fantastic: Schwyzerdütsch verbindet

Stars in Town, Schaffhausen, 2019, Redaktionsbüro SyntaxDie Züricher Mundartband Dabu Fantastic versprühen zum Auftakt beste Laune.

Am Samstag heißen die Vorgruppen Dabu Fantastic und Bastian Baker. Erstere kennt man hierzulande noch kaum, obwohl ja sowohl Schwyzerdütsch als auch Schwäbisch alemannische Sprachwurzeln haben. Die Jungs von Dabu Fantastic kommen aus Zürich und gehören zur obersten Liga der Schweizer Mundartmusik. Unter anderem haben sie einen Song mit Wortspielen zu Schweizer Nachnamen geschrieben, zum Beispiel: „Er isch Jäger und heißt Bär“ oder „sie heißt Amacher und isch Single“. Vor dem Konzert haben sie auf ihren Social-Media-Kanälen einen Aufruf gestartet und um lokale Nachnamen gebeten. Dieser Aktion ist auch Bastian Baker gefolgt, weshalb er die doppeldeutige Strophe bekommt: „Er heißt Baker und het ken Zopf“, etwa: „Er heißt Bäcker und hat keinen Zopf“.

Bastian Baker: Ein Hauch Bradley Cooper

Stars in Town, Schaffhausen, 2019, Redaktionsbüro SyntaxBastian Baker – Shooting-Star aus Lausanne

Ob der Singer-Songwriter aus Lausanne (Hefe)zopf liebt, wissen wir nicht, sein Haar jedoch trägt er in der Tat offen. Bastian Baker ist so etwas wie ein Stammgast auf dem Festival, hat aber auch schon als Tour-Support von Shania Twain vor großem Publikum gespielt. Mit einer natürlichen Lockerheit wickelt er die Schaffhauser bei seinem dritten Besuch um den Finger. Und weil die Boulevardpresse nicht müde wird seine Ähnlichkeit mit dem US-Schauspieler Bradley Cooper („Hangover“, „Silver Linings“) zu betonen, spielt er neben eigenen Liedern auch ein Cover des Songs Shallow aus dem Oscar-prämierten Film „A Star Is Born“ mit Bradley Cooper und Lady Gaga.

Amy Macdonald: “This is the Life” – and this is the Highlight

Ehre wem Ehre gebührt. Amy McDonald ist nicht nur die Headlinerin des Abends, sie beschließt auch das gesamte Stars-in-Town-Festival – wodurch ihr Album „Under Stars“ hier nochmal einen neuen Bezug erhält. Vor fünf Jahren hatte Amy Macdonald Schaffhausen schon einmal gerockt – jetzt ist sie zurück. Blondiert, tätowiert – und kraftvoller denn je. Und wer sich eben gerade ans Schwyzerdütsch gewöhnt hat, durfte sich nun auf einen ebenso ungewöhnlichen Dialekt einstellen.

Wenn Amy Macdonald über ihrer Lieder im Speziellen und das Leben im Allgemeinen erzählt, geschieht das in schönster schottischer Lautmalerei.  Für untrainierte Ohren schwer verständlich, aber vor allem sehr charmant und immer irgendwie beschwingt. Viel Lebensfreude klingt da durch. So wie bei ihren Lieder. Mir hatte mal jemand erzählt, sobald er einen Song von Amy Macdonald hört, fühlt er sich, als ob er im leichten Galopp über die Prärie reitet. Nun, eigentlich sind es in diesem Fall eher die kräftigen Shetland-Ponys in den schottischen Highlands, was aber ein mindestens ebenso schönes Bild abgibt.

Stars in Town, Schaffhausen, 2019, Redaktionsbüro SyntaxAmy Macdonald hat sichtlich Spaß mit dem Schaffhauser Publikum

Woman of the World

Mit „Woman Of The World“ eröffnet Amy ihre Show, was gleichzeitig der Titel ihres aktuellen Best-of-Albums ist, und fackelt dann ein mitreißendes musikalisches Feuerwerk ab. Der ganze Platz groovt und tanzt zu ihren eingängigen Songs. Es sind die Lieder zum Mitsingen, die man aus dem Radio kennt: Songs wie „Spark“ oder „Mr. Rock & Roll“ muss man einfach lieben. Und live ist die Stimme der 31-jährigen noch viel beeindruckender als man sie von Studioaufnahmen kennt.

Zu „Poison“ von Prince entzündet sich vom oberen Bühnenrand ein Funkenvorhang, der die Musiker in magisches Licht taucht. Amy spielt sich quer durch ihre Alben, greift immer wieder auch ältere Stücke auf, wie das ruhige „Run“ oder das rhythmisch-treibende „Barrowland Ballroom“. Und natürlich darf keinesfalls der Titelsong ihres Debütalbums fehlen, der sie 2007 europaweit auf die vordersten Chartplätze katapultiert hat. Bei „This is the Life“ gibt es kein Halten mehr. Alle Besucher scheinen mit diesem Song eine Erinnerung zu verbinden, in welcher sie nun schwelgen.

Kumpeltyp und Energiebündel

Stars in Town, Schaffhausen, 2019, Redaktionsbüro SyntaxA real Star in Town: Amy Macdonald ist sympathisch, begeisternd, mitreißend 

Amy Macdonald ist mit 1,63 nicht gerade groß, wirkt zierlich hinter ihrer geliebten Akustik-Gitarre  – doch sie ist eine Gigantin auf der Bühne, nimmt ihr Publikum von der ersten Sekunde an mit, ruft augenzwinkernd zur Challenge auf mit den „Vibes“ bei ihrem vorigen Konzert in Altötting („die Latte liegt hoch“) – und die Zuhörer folgen ihr begeisternd singend und klatschend. Sie ist ein sehr nahbarer „Star in Town“. Wenn sie von ihren Tour-Erlebnissen erzählt oder von zuhause in Glasgow, bekommt man das Gefühl, sie ist das Mädel aus dem Pub von nebenan, mit der man schon mal ein Pint Red Ale getrunken hat. Und dann haut sie auch schon den nächsten Welthit raus, voll konzentriert auf die Musik und gleichzeitig unglaublich präsent bei ihrem Publikum. 

Mit dem Klassiker „Let’s Start a Band“ beschließt Amy Macdonald mit ihrer wunderbaren Stimme und ihren hervorragend eingespielten Musikern das Festival. Die Zuschauer gehen mit einem weinenden und einem lachenden Auge nach Hause. Denn natürlich hätte es noch lange so weitergehen dürfen ... Andererseits: War der letzte Titel nicht auch schon ein verheißungsvolles Motto fürs nächste Jahr? „Let’s start a Band“ – Let’s start „Stars in Town 2020“.

 

INFO: DAS FESTIVAL IN SCHAFFHAUSEN

Stars in Town mit Volonteers-Konzept

Die fünftägige Freiluftkonzertreihe mitten in der Altstadt von Schaffhausen findet auf dem größten Platz der Stadt, dem Herrenacker statt. 2010 unter dem Namen „das festival“ ins Leben gerufen, nennt sich die Veranstaltung seit 2012 Stars in Town. Das Festival präsentiert zeitgenössische Musik und jährlich werden namhafte Interpreten aus den Genres Rock, Pop, Jazz, Blues, Soul, Funk und Elektro engagiert.

Da das Festival durch die Örtlichkeit begrenzt ist, liegt die Eventgröße für fünf Tage bei rund 55.000 Zuschauern. Um dafür die klingenden Namen der Musikszene zu holen und vor allem zu finanzieren, steht das Festivalkonzert aus drei Säulen: Sponsoring, ausgedehnter VIP-Bereich und Volonteering. Die ersten beiden sind klar. Doch „Stars in Town“ sei nur dank dem enormen Einsatz vieler Freiwilligen realisierbar. Viele motivierte Helferinnen und Helfer werden für die vielfältigen Aufgaben vor, während und nach dem Festival vorbereitet.Als Gegenleistung gibt es neben Verpflegungstickets, ein exklusives T-Shirt. Aber vor allen natürlich den freien Zutritt aufs Festivalgelände und den Konzerten sowie die Teilnahme an den After-Show-Partys und noch ein paar Vergünstigungen mehr.

Stars-in-Town-Sprecherin Nora Fuchs sagt: „Jeder einzelne gibt sein Herzblut hinein – es werden Ferien genommen, um hier Gastgeber zu sein. Es fängt bei der Crew an. Auch wie freundlich die Gäste hier empfangen werden. Das ist der Groove des Festivals, so wie es über die Jahre gewachsen ist. Das überträgt sich aufs Publikum, es schwappt regelrecht über. Auch Security-seitig muss nicht mit großen Geschützen aufgefahren werden. Es ist einfach ein friedliches Festival.“

>>> zur Galerie "Stars in Town – Schaffhausen 2019"

 

Das nächste Festival "Stars in Town" findet
vom 4. bis 8. August 2020 in Schaffhausen statt:

Aufgrund der Covid 19-Pandemie musste
Stars in Town 2020  abgesagt werden:

Weitere Infos und Kartenvorverkauf