Redaktion

Open-Air-Gallerie am Comer See

Helmut Newton. Cars.

Jedes Frühjahr wird der Comer See zum Schauplatz einer „car, art & fashion week“. Neben dem klassischen Concorso d’eleganca in und an der Villa d’Este und Villa Erba in Cernobbio findet seit einigen Jahren zeitgleich eine Veranstaltung an anderen Villen-Locations am Ufer des Comer Sees statt: der FuoriConcorso (übersetzt „außer Konkurrenz“) gilt als unabhängiges, modernes Automotive- und Lifestyle-Event – wenn man so will, die kreative, offenere Schwesterveranstaltung des klassischen Concours. Was sich auch in diesem Frühjahr wieder beweist: Am 15. Mai 2026 eröffnete die Newton Foundation in Zusammenarbeit mit dem italienischen Luxury Brand Larusmiani die Ausstellung Helmut Newton. Cars. Ort ist der Garten der Villa Olmo am Lago di Como. Auf 20 großformatigen Panelen wird dem Automobil durch Newtons Fotografien gehuldigt – entstanden zwischen 1956 und 2001. Der Ort könnte nicht passender gewählt sein: In und um Como hat der 1920 in Berlin geborene, weltbekannt gewordenen Mode-, Porträt-, Akt- und Werbefotograf Helmut Newton seit den 1970er-Jahren immer wieder gearbeitet, vor allem in der erwähnten Villa d’Este und ihrem berühmten Garten. 

Ausstellung, Helmut Newton Cars, Villa Olmo, Como am Comer See, Fotografien des weltbekannten Mode-, Porträt-, Akt- und Werbefotograf Helmut Newton.

Helmut Newton: Italian Vogue, Lake Como 1996, (Alfa Romeo Spider 2.0)
Blonde Frau im schwarzen Cocktailkleid, ein Alfa Romeo Spider mit Kennzeichen der Stadt Como und ein Kofferraum voller Geld.
Was es mit diesem Geldkoffer auf sich hat? Darüber entscheidet die Fantasie des Betrachters ...                                              

© Helmut Newton, Helmut Newton Foundation
In der aktuellen Ausstellung wird als Highlight erstmals ein Modebild aus Como gezeigt, welches 1996 für die italienische Vogue entstand: eine blonde Frau mit hochtoupierten Haaren im engen schwarzen Cocktailkleid steht neben einem Alfa Romeo Spider. Im offenen Kofferraum sehen wir einen geöffneten Aktenkoffer mit Bündeln von 100.000 Lire-Scheinen. Der Sportwagen hat ein Autokennzeichen der Stadt Como. Was es mit diesem Geldkoffer auf sich hat, darüber lässt sich nur spekulieren – es ist für sein Werk eine geradezu charakteristische, ambivalente Zutat.
 
Ausstellung, Helmut Newton Cars, Villa Olmo, Como am Comer See, Fotografien des weltbekannten Mode-, Porträt-, Akt- und Werbefotograf Helmut Newton.
Helmut Newton und Autos: Fotografisch begann alles Mitte der 1950er-Jahre, als Newton auf einer Urlaubsreise

in Rom an der Via Appia seinen weißen Porsche 356 als Hintergrundmotiv für ein privates Porträt seiner Frau June einsetzte.
© Helmut Newton, Helmut Newton Foundation                                              

Mit Autos verband Helmut Newton eine lebenslange Leidenschaft; insofern verwundert es nicht, dass dieses Motiv in seiner Modefotografie über die Jahrzehnte einen wichtigen Platz einnahm und er später sogar Werbung für renommierte Automarken fotografiert hat. Es begann alles Mitte der 1950er-Jahre, als der deutsch-australische Fotograf auf einer Urlaubsreise in Rom an der Via Appia seinen weißen Porsche 356 als Hintergrundmotiv bei einem privaten Porträt seiner Frau June einsetzte, oder etwas später, zurück in Melbourne, erneut bei einem Modeshooting für die australische Vogue. Er fotografierte inmitten der Jaguar-Fabrik Herrenmode oder für die französische Vogue Damenmode in Verbindung mit einem roten Fiat 1200; Er porträtierte Françoise Sagan im Jaguar E-Type, und inszenierte das britische Fotomodell Jean Shrimpton als Kühlerfigur eines Rolls Royce wurde.

Ausstellung, Helmut Newton Cars, Villa Olmo, Como am Comer See, Fotografien des weltbekannten Mode-, Porträt-, Akt- und Werbefotograf Helmut Newton.
Newton ist ein Meister der geheimnisvollen Fotografie: 1990 sitzt Schauspielerin Isabella Rossellini in Paris einer
schwarzen Limousine mit halb geöffneter Fensterscheibe. Dunkel gekleidet mit auffallend roten Lippen und einer
wertvollen Halskette blickt sie ihrem Betrachter direkt in die Augen. Was will sie uns sagen?

© Helmut Newton, Helmut Newton Foundation

In jenen Jahren experimentierte Newton viel: er fotografierte aus dem Fond eines Facel-Vega-Sportwagens mit Blick auf das Armaturenbrett nach außen, während auf der Kühlerhaube die Mode zum Nebenmotiv wurde, in Rom ließ er für die italienische Vogue ein Modell aus dem Schiebedach eines Fiat 500 herausragen oder erzählte für die französische Ausgabe in einer großangelegten Bildsequenz die Geschichte um eine rätselhafte junge Frau, die an der französisch-belgischen Grenze mit ihrem Mercedes-Benz 190 von Zollbeamten kontrolliert wird.   

Ausstellung, Helmut Newton Cars, Villa Olmo, Como am Comer See, Fotografien des weltbekannten Mode-, Porträt-, Akt- und Werbefotograf Helmut Newton.
Für die französische Vogue erzählte Newton 1962 in einer großangelegten Bildsequenz die Geschichte einer
rätselhaften jungen Frau, die an der französisch-belgischen Grenze mit ihrem Mercedes-Benz 190 von Zollbeamten
kontrolliert wird.
© Helmut Newton, Helmut Newton Foundation

Solche ungewöhnlichen, geheimnisvollen und spannenden Narrative, die weit über die Werbung für Autos oder Mode hinausgehen, lassen der Fantasie des Betrachters viel Raum. Diese Bilder sind typisch für die Arbeitsweise von Helmut Newton, die er auch in den 1970er-, 80er- und 90er-Jahren realisierte. So taucht das Auto als Motiv hundertfach in den unterschiedlichsten Situationen seiner Fotografie auf, mal im Hintergrund, gewissermaßen als luxuriöses Accessoire, mal als gleichberechtigtes Motiv.

Ausstellung, Helmut Newton Cars, Villa Olmo, Como am Comer See, Fotografien des weltbekannten Mode-, Porträt-, Akt- und Werbefotograf Helmut Newton.
Prinzessin Caroline von Monaco blickt 1985 fast etwas verletzlich-nachdenklich aus dem Mercedes-Benz Cabrio 280 SL.
Mancher wird unwillkürlich an das Schicksal ihrer Mutter, Fürstin Gracia Patricia denken, die auf einer Bergstraße der
Cote d’Azur am Steuer ihres Rover 3500 mit der zweiten Tochter Stéphanie tragisch verunglückte und später ihren
Verletzungen erlag. In dem Gebiet war Jahre zuvor die Verfolgungsjagd im Hitchcock-Film „Über den Dächern von Nizza“
gedreht worden, in der Carolines Mutter – damals Grace Kelly – ein saphirblaues Sunbeam-Alpine-Mark-III-Cabriolet gefahren hatte. 
© Helmut Newton, Helmut Newton Foundation

Zur ungewöhnlichen Art von Helmut Newton, die Dinge zu fotografieren, sagt Guglielmo Miani, der CEO der Luxusmarke Larusmiani und Sponsor der Ausstellung in Como: „Es gibt Sammler und Mäzene, die Dinge anhäufen und bewahren. Ich habe immer an den Weg derer geglaubt, die Schönheit nicht unbedingt besitzen, sondern die Verantwortung dafür übernehmen, sie für die Nachwelt lebendig zu erhalten. Helmut Newton verstand es, im Automobil das zu sehen, was ich in Stoff, im Schnitt, in der Silhouette eines Kleidungsstücks zu sehen suche: jene unaufgelöste Spannung zwischen Funktion und Begehren, zwischen technischer Präzision und purer Verführung. Seine Fotografien dokumentieren keine Autos: Sie bewohnen sie.“

Dies vermittelt die Ausstellung eindrucksvoll in einer kleinen, aber repräsentativen Auswahl seiner Aufnahmen aus sechs Jahrzehnten. Und dies auch nach der Präsentation am FuoriConcorso-Wochenende – noch bis Ende Juni. Allen Automobilfans, Modeliebhabern und Fotografie-Ästhetinnen, die ihren Urlaub in Norditalien verbringen oder auf der Durchreise in den Süden sind, sei diese erste Ausstellung zu einem wichtigen Thema im Werk Helmut Newtons also auch in den nächsten Wochen noch ans Herz gelegt.

 

Ausstellung: Helmut Newton. Cars.
Como, Villa Olmo vom 15. Mai 2026 bis 30. Juni 2026
Öffnungszeiten 7.00 – 23.00 Uhr

Zudem soll in naher Zukunft die Newton Foundation in Berlin mit einer noch umfangreicheren Präsentation zum Thema „Helmut Newton. Cars.“ aufwarten.
Weitere Informationen: Helmut Newton Foundation